Steuerini
28.10. Bericht über Bürgerinitiative in der Bezirkszeitung Drucken E-Mail

Bezirkszeitung Waidhofen/Thaya:

https://www.meinbezirk.at/waidhofenthaya/c-politik/widerstand-gegen-freileitung-im-bezirk-waidhofenthaya_a7775706?ref=curate

 
Zur Diskussion über Freilandleitungen bei der Stromübertragung Drucken E-Mail

Ober oder unter der Erde? Mit oder ohne die Bürger?

Zur Diskussion über Freilandleitungen bei der Stromübertragung

In ganz Österreich wird seitens der Energiebetreiber derzeit das Stromnetz modernisiert und aus ihrer Sicht „zukunftsfit“ gemacht. Der Rückhalt der etablierten Politik ist dabei gewiss. Leiten die einen Parteien daraus eine erhöhte Autarkie im Energiebereich ab, sind es für die anderen vermehrte Chancen für ein zukünftiges Wirtschaftswachstum allgemein und für andere wiederum das Substrat einer Energiewende schlechthin.

 

Dass alleine all diese Argumente einen gewissen Wahrheitsgehalt aufweisen können, ist unbestreitbar, allerdings ist ebenso klar, dass all die getätigten Annahmen von vielerlei Faktoren abhängig sind, welche wir derzeit weder wissen noch fundamental zu beeinflussen in der Lage sind. Aber dennoch, wir müssen für die Zukunft planen.

 

Eine gewissenhafte Planung bedeutet jedoch, vielerlei Szenarien zu berücksichtigen, sie bedeutet, Vor- und Nachteile für alle Beteiligten (für eine Gesellschaft als Ganzes, für Bürger in von Eingriffen betroffenen Landschaftsräumen, für den Tourismus, für Umwelt- und Tierwelt, für Grundstücksbesitzer und Bauern u.v.a.m.) zu berücksichtigen und den Blick in die Zukunft so auszurichten, dass er der Gesellschaft letztlich nicht zum Nachteil gereicht. Das ist nicht leicht. Aber es ist Aufgabe der gewählten Repräsentanten in einem demokratisch funktionierenden Staatswesen.

 

Derzeit verfolgt die etablierte Politik das Ziel, mittels neuer Gesetzesbeschlüsse die Genehmigungsverfahren für den Energieausbau zu beschleunigen und die Entscheidungen darüber letztlich in eine Hand zu legen - in die der Landeshauptleute. Dabei wird und soll so ziemlich alles auf der Strecke bleiben, was den Interessen von Investoren und Aktionären zuwiderläuft. Das ist weder sinnvoll noch demokratisch, es ist aus meiner Sicht sogar dumm. Denn in Zeiten, wo sich die Bevölkerung ohnedies von der etablierten Politik nicht verstanden fühlt, wo sie ihr längst nicht mehr traut - und das in vielerlei Fragen zu Recht - liefern die Verantwortlichen für eine solche Politik neuen Zündstoff für Parteien, denen die Demokratie längst kein Anliegen mehr ist, sondern die autokratischen Regierungen a la Trump und Orban den Weg zu ebnen trachten.

 

Wie gesagt, die einen machen dabei mit, weil ihnen die Wirtschaft ein besonderes Anliegen zu sein scheint (Meistens meinen sie damit allerdings Großkonzerne), die anderen, weil sie nicht verstehen, dass man eine Energiewende nur mit und nicht auf dem Rücken der Bevölkerung betreiben kann, andere wiederum, weil sie dadurch ihre Profite erhöhen wollen usw.

Energiebetreiber sowie Konzerne, die Profite aus der Windenergie ziehen möchten, informieren die Bevölkerung über ihr Vorhaben, zumindest in Niederösterreich, in Veranstaltungsreihen, welche jeglicher demokratischen Grundgesinnung spotten, einseitig und intransparent. Die Behörden arbeiten im Hintergrund - ebenso bürgerfremd und intransparent.

Während den Bürgern die Notwendigkeit von problematischen Freilandleitungen zur Aufrechterhaltung ihrer Stromversorgung in den Häusern vorgegaukelt wird, werden im Hintergrund bereits eifrig die Fäden für das Aufstellen bzw. den zusätzlichen Bau von Windrädern gezogen. Verträge mit Bauern werden vorbereitet, Anfragen für Leitungslegungen durch Grundstücke getätigt, während man offiziell beteuert, die beabsichtigte Freilandleitung hätte mit der Windkraft absolut nichts zu tun.

Erdleitungen werden abgelehnt, denn ihr Bau ist teurer als der von die Landschaft verschandelnden Freileitungen. Ja, stimmt, die Investitionen für Erdleitungen sind für die Energiebetreiber höher. Und richtig ist auch, dass die Dividenden der Aktionäre dadurch wohl sinken würden. Aber von welchem Geld sprechen wir denn da - vom Geld der Energiebetreiber oder von dem der Bürger, welche durch die ohnedies exorbitant hohen Strompreise den Energielieferanten hohe Gewinne bescheren? Dass Erdleitungen im Vergleich zu Freileitungen neben etlichen Nachteilen auch Vorteile bieten, nicht nur für die Bürger, sondern auch für die Energiekonzerne selbst, bleibt in der Pseudodiskussion meist unerwähnt.

 

Besonders geeignet für eine Politik des Drüberfahrens und verkürzte Diskussionen scheinen ganz bestimmte Regionen wie z.B. das Waldviertel zu sein. Arbeitsplätze sind rar, die Einkommensverhältnisse vieler Bewohner schlecht, die Überlebensszenarien vieler Bauern alles andere als rosig, mit allzu viel Widerstand seitens der Bevölkerung rechnet man nicht. Also ist es nicht schwierig, einige Phantasien für eventuell zukünftige Investoren unter die Leute zu bringen, die Bauern und Grundstücksbesitzer ködert man mit schnellem Geld in Form von Entschädigungszahlungen, mit Informationen an die Bevölkerung hält man sich zurück. Gleichzeitig ruiniert man dadurch mehr oder weniger das wichtigste Kapital, welches dieser Lebensraum aufzuwarten hat: eine noch halbwegs intakte Landschaft, die man auch als „unberührte Natur“ (Waldviertel Tourismus) entsprechend bewirbt. Welch ein Wahnsinn!

 

Betrieben wird eine Interessenpolitik der kleinen Schritte, bei welcher letztendlich die Bevölkerung vor vollendete Tatsachen gestellt werden soll. Übrig bleibt dabei der Bürger, der so gerne in Wahlzeiten hofierte Souverän. Er wird hinters Licht geführt und getäuscht. Seine Meinung bleibt unberücksichtigt.

 

So bereitet man erfolgreich den Nährboden für das, was zahlreiche Politiker in Sonntagsreden so gerne zu bekämpfen vorgaukeln: die endgültige Verärgerung der Bürger, deren Abwendung von demokratischen Gepflogenheiten und letztlich auch ihre Empfänglichkeit für autokratisch und rechts gesinnte Schnelllöser.

 

Gerhard Kohlmaier, 28.10.2025

 

 

 

 

 

 

 

 
Petition gegen die Verschandelung Drucken E-Mail

Unterzeichnen auch Sie die Petition gegen die Verschandelung des Natur- und Lebensraumes im Waldviertel und helfen Sie mit, den Bau einer 110kV-Freilandleitung durch ein schätzenswertes Gebiet zu verhindern:

 

Zur Petition

 

(Eine Aktion der Bürgerinitiative "UNSER WALDVIERTEL - UNSERE STIMME")

 

 

 

 
Leserbrief statt Wochenkommentar Drucken E-Mail

Leserbrief zu „Netzausbau im Bezirk Waidhofen/Thaya startet“

(Bericht der Bezirkszeitung vom 15.9.2025)

Eine sonderbare Ode an die Freude

 

Die BewohnerInnen aller umliegenden Gemeinden sollen angeblich von der geplanten 110kV-Freileitung profitieren, heißt es im Bericht. Ich kenne mehrheitlich BewohnerInnen, die sich kritisch und ablehnend zu dieser Freilandleitung geäußert haben.Umweltschädigend, gegen Natur-, Tier- und jeglichen Landschaftsschutz. Auch eine Bürgerinitiative, die sich gegen das Projekt zur Wehr setzt, wurde gegründet und bündelt diese Bedenken. Viele BewohnerInnen von Karlstein und Groß-Siegharts lehnen den Verschandelungswahnsinn ebenfalls ab. Werden hier BewohnerInnen mit Bürgermeistern verwechselt? Ja, der Bürgermeister von Karlstein, Siegfried Walch (ÖVP), freut sich, führt die Leitungstrasse doch nicht durch sein Gemeindegebiet. Sie verschandelt die Landschaft anderswo. Auch der Bürgermeister von Groß-Siegharts, Ulrich Achleitner (ebenfalls ÖVP) wälzt sich offenbar im Freudentaumel, stehen die das Landschaftsbild trübenden Masten doch hauptsächlich im Gemeindegebiet von Raabs/Thaya. Der Bürgermeister von der am meisten betroffenen Gemeinde, Franz Fischer (ebenfalls ÖVP), scheint sich weniger zu freuen, zumindest nicht medienwirksam wie sein Pendant in Groß-Siegharts, regt sich doch in seinem Gemeindegebiet heftiger Widerstand unter der Bevölkerung. Er scheint sich daher eher still zu freuen, informiert seine BürgerInnen in seiner Gemeindezeitung ebenso unauffällig. Aber eines scheinen die Volksvertreter gemeinsam zu haben: die Absicht, nicht aufmucken zu wollen gegen den ÖVP-durchfluteten landesweiten Energieversorger EVN.

 

Mag. Gerhard Kohlmaier

 
Woko vom 24.9.: Das Ungarn des Viktor Orban. Wenn einer eine Reise tut,... Drucken E-Mail

Mein Griechenland-Urlaub ist vorbei, ich musste ihn vorzeitig abbrechen und schreibe wiederum meine Kommentare zum Zeitgeschehen.

 

Gerhard Kohlmaier

 

 

Das Ungarn des Viktor Orban. Wenn einer eine Reise tut,….

Seit Jahren fahre ich mit dem Auto auf dem Weg nach Griechenland (Ich möchte meiner Hündin die Fähre nicht zumuten) durch Ungarn. Das Land hat sich seit der Machtübernahme des Autokraten merklich verändert, die Menschen, welche seinem Regime ausgesetzt sind, zum Teil ebenfalls. Kein Wunder, werden sie doch von staatlicher Seite höchst einseitig und falsch informiert. Pressefreiheit gibt es seit vielen Jahren nicht mehr, die Regierung kontrolliert die Medien. Regionalmedien werden von Orbans Freunden betrieben, die öffentlich-rechtlichen Rundfunksender werden in einer staatlichen Medienholding überwacht.

 

Der Bevölkerung wird eingetrichtert, die Europäische Union sei an ihrer gesellschaftlichen Situation schuld, dementsprechend unfreundlich ist man anderen Europäern gegenüber, besonders gegenüber Deutschen und Österreichern. Man lässt sie diese Ablehnung auch spüren, wo immer es möglich ist. Als ich im vergangenen Jahr eine Autopanne kurz vor Szeged hatte (Es war ein Radlager zu wechseln), ließ man mich in der örtlichen Ford-Werkstätte wissen, dass die Reparatur 5 Tage in Anspruch nehmen werde, weil angeblich „in Ungarn alle Menschen gleich“ seien und man meine Reparatur (Ein Radlagerwechsel dauert ca. ein- bis eineinhalb Stunden) nicht vorziehen könne. Tatsächlich wartete ich 5 Tage lang, bis das Auto wieder fahrbereit war.

 

Ein Erlebnis besonderer Art war heuer die Autobahnfahrt durch Ungarn. Auf einer Streckenlänge von ca. 500 km fährt man gut 200 km ein- oder zweispurig inclusive Pannenstreifen. Allerdings sieht man entlang der gesamten Absperrungen weder irgendeine Bautätigkeit noch Maschinen oder Menschen, welche mit Arbeiten beschäftigt wären. Weder bei der Durchfahrt in Richtung Serbien vor 3 Wochen noch jetzt, bei der Heimreise. Nichts. 400 km unnütze Disziplinierung hin und zurück gerechnet. Offensichtlich ist die Maßnahme Teil einer Strategie der Regierung, um die Menschen mürbe zu machen. Wohl auch die eigene Bevölkerung.

 

Am Grenzübergang erwarten einen zahlreiche Schikanen. Autos aus der EU werden im Schneckentempo abgefertigt. Nein, sie werden nicht genau untersucht, obwohl man jeden Kofferraum öffnen lässt, ohne hineinzusehen. Die Passkontrolle dauert an die 10 Minuten. In meinem Fall ließ man auf die Erstschikane noch eine zweite folgen: „Fahren Sie rechts ran, wir machen eine genaue Gepäckskontrolle!“ Also - natürlich wiederum nach einer Wartezeit von 30 Minuten - das ganze Auto ausräumen, das gesamte Gepäck auf einen bereitgestellten Holztisch stellen. Dann erfolgte die Kontrolle eines einzigen Koffers durch flüchtiges Hineingreifen. 5 weitere Gepäckstücke, x Taschen und Sackerln wurden nicht einmal eines Blickes gewürdigt. „Danke, Sie dürfen weiterfahren!“ Gesamtwartezeit an der Grenze: ca. 2,5 Stunden. Autos vor mir auf der Abfertigungsspur: vielleicht 12 bis 15.

 

Ich empfehle allen Viktor Orban-Begeisterten eine Reise durch das Land, damit sie am eigenen Leib erfahren, was ein autokratisches Regime bedeutet. Vielleicht könnte Herr Kickl einmal eine Parteiexkursion für seine Anhänger durch das Land organisieren! (Gerhard Kohlmaier)

 
<< Start < Zurück 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 Weiter > Ende >>

Seite 2 von 95