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Chronologie der
GRASSER-BUWOG-und X-Affären
2000 Juli - Der FPÖ-nahe Wiener Immobilienmakler Ernst
Karl Plech löst den sozialdemokratischen Budget-Sektionschef Gerhard Steger als
Aufsichtsratspräsident der Buwog ab, auch Michael Ramprecht, damals Referent im
Finanzministerium, zieht neu in den Aufsichtsrat ein. Die SPÖ ortet "Freunderlwirtschaft"
durch den damals neuen Finanzminister Karl-Heinz Grasser.
September 2000 - Das Finanzministerium rechnet im Rahmen
des Abbaus der Finanzschuld bis 2002 im Umfang von etwa 100 Mrd. S mit Erlösen
von 25 bis 30 Mrd. Schilling (bis zu 2,18 Mrd. Euro) allein aus dem Verkauf von
Bundeswohnungen. Im Besitz des Bundes stehen 6 Wohnungsgesellschaften mit rund
60.000 Wohnungen.
Juni 2001 - Die Republik bietet 39.000 Bundeswohnungen
den Mietern zum Verkauf an - bis Jahresende melden sich nur 500 Mieter.
Finanzminister Grasser lässt daraufhin die Privatisierung international
ausschreiben.
September 2002 - Die US-Investmentbank Lehman Brothers
erhält den Auftrag zur Durchführung der Privatisierung der Bundeswohnungen und
kassiert dafür 10,6 Mio. Euro.
April 2003 - Die geplante Buwog-Privatisierung
beschäftigt das Parlament: Das Vorhaben der ÖVP-FPÖ-Regierung, die
Bundeswohnbaugesellschaften zu privatisieren, hat laut SPÖ-Rechnungshofsprecher
Günther Kräuter bisher rund 10,9 Mio. Euro an Beraterkosten für eine
Rechtsanwaltskanzlei, zwei Universitätsprofessoren und das Bankhaus Lehman
Brothers verschlungen. Kräuter will die Ausgaben im kleinen
Untersuchungsausschuss des Parlaments prüfen lassen.
Juli 2003 - Der Nationalrat genehmigt den Verkauf der
62.000 Wohnungen, sie sollen "bestmöglich" verkauft werden.
September 2003 - Der Rechnungshof beanstandet die
Vorbereitungen zum Buwog-Verkauf
Oktober 2003 - Das Finanzministerium bestätigt rund 30
Interessenten für die Bundeswohnungen.
November 2003 - Die SPÖ fürchtet einen
Milliardenschaden, die Bundeswohnungen seien 3,5 Mrd. Euro wert, die Republik
wolle diese Wohnungen nun aber um nur 500 Mio. Euro verkaufen. Der Schaden
betrage somit mindestens 3 Mrd. Euro.
November 2003 - Im Rechnungshofausschuss des Parlaments
erklärt der damalige Rechnungshofpräsident Franz Fiedler, der beiden größten
ehemals gemeinnützigen Bundeswohngesellschaften Buwog und WAG für weniger als
200 bzw. 400 Mio. Euro entspreche nicht mehr dem Gebot der Wirtschaftlichkeit.
Finanzstaatssekretär Alfred Finz hatte von einem möglichen Erlös zwischen 400
und 500 Mio. Euro gesprochen
- Die Grünen erklären, nach 23 parlamentarischen
Anfragen sei klargestellt, wer den Verkaufsprozess gesteuert habe, wer
Entscheidungen beeinflusst und welche Rolle dabei Vertraute von Finanzminister
Grasser gespielt hätten. Die Verkaufsidee stamme von Grasser-Freund Michael
Ramprecht, dem nunmehrigen Vorsitzenden der Vergabekommission, in den auf seinen
Vorschlag der Immobilienmakler und Grasser-Vertraute Ernst Karl Plech,
Grasser-Büroleiter Rene Oberleitner und ein Beamter des Finanzministeriums als
verlängerter Arm des Ministers sitzen. Die Entscheidung der Vergabekommission
für Lehman Brothers sei somit quasi unter Freunden erfolgt.
Dezember 2003 - Die SPÖ ortet Begünstigung und will die
Staatsanwaltschaft einschalten, das Finanzministerium spricht von einem
"transparenten" und vorbildlichem Privatisierungsprozess.
Von ursprünglich mehr als 20 Interessenten reduzierte
sich das Verkäuferfeld auf zuletzt drei Interessenten (Austro-Konsortium, CA
Immo, Blackstone/conwert), die nach der so genannten Due Diligence-Prüfung ein
verbindliches Angebot gelegt haben.
15. Juni 2004 - Die Republik verkauft die
Bundeswohnbaugesellschaften an ein "Austro-Konsortium" (Raiffeisen Landesbank OÖ,
Immofinanz, Wiener Städtische/VIG, Oberösterreichische Landesbank und
Oberösterreichische Versicherung) um 961 Mio. Euro. Die CA Immo bot knapp
weniger mit 960 Mio. Euro.
Das Land Kärnten übt sein Vorkaufsrecht, das es auf die
Villacher ESG besitzt, nicht aus. Die verkauften Gesellschaften (inklusive WBG)
verfügen über ein Portfolio von ca. 62.500 Mietwohnungen und über 5,1 Mio. m2
unbebautes Land sowie etwa 400 Gewerbeimmobilien und ca. 23.000 Parkplätze. In
ihren Wohnungen leben etwa 170.000 Menschen.
SPÖ und Grüne fordern eine Rechnungshofprüfung:
SP-Wohnbausprecherin Doris Bures kritisiert eine Doppelrolle des Buwog- und
WAG-Aufsichtsratschefs Ernst Karl Plech, der auch als Makler der Immofinanz,
einem Mitglied des Käuferkonsortiums tätig geworden sei.
März 2007 - Der Rechnungshof (RH) kritisiert den Verkauf
von fünf Bundeswohngesellschaften im Jahr 2004: Die Regierung habe es nicht
geschafft, mehr zu erlösen als die Wohnungen nach ohnedies sehr konservativen
Schätzungen wert waren.
Dezember 2007 - Die Immofinanz verteidigt die
Wertsteigerung der 2004 erworbenen Wohnungen, das Paket sei um 50 Prozent
gesteigert worden und nicht - wie von "profil" behauptet - verdreifacht. Denn
das Paket sei schon damals gut 1,2 Mrd. Euro wert gewesen, der Zuschlag sei nach
"hartem Bieterwettbewerb" erfolgt.
November 2008 - Bei der Immofinanzgruppe der Constantia
Bank finden Hausdurchsuchungen statt, der Verdacht auf Untreue und Betrug.
März 2009 - Die angeschlagene Immofinanz verkauft die
Buwog an ihre Osttochter Immoeast.
September 2009 - Die Immofinanz-Ermittlungen bringen die
Medien und die Justiz auf eine neue Spur: Bei einer Einvernahme durch die
Staatsanwaltschaft berichtet der frühere Immoeast-Finanzchef Thornton, er habe
im Auftrag von Immofinanz-Chef Karl Petrikovics in Tranchen insgesamt 9,61 Mio.
Euro an eine Firma des PR-Unternehmers Peter Hochegger auf Zypern gezahlt. Es
sei ein Erfolgshonorar für Hocheggers Tätigkeit im Rahmen der
Buwog-Privatisierung gewesen, dafür seien fiktive Rechnungen und Honorarnoten
erstellt worden. Die Aussage vor der Staatsanwaltschaft erfolgten bereits im
Jänner und März 2009.
Hochegger und der frühere FPÖ-Politiker und
Grasser-Trauzeuge Walter Meischberger erstatten Selbstanzeige wegen
Steuerhinterziehung. Sie hatten die 9,6 Mio. Euro-Provision der Immofinanz nicht
versteuert. Hochegger soll 20 Prozent, Meischberger 80 Prozent der Provision
erhalten haben.
Oktober 2009 - Die Grüne Abgeordnete Gabriela Moser
übermittelt der Staatsanwaltschaft eine Sachverhaltsdarstellung mit Vorwürfen
gegen Grasser im Zusammenhang mit der Buwog-Privatisierung.
5. Oktober 2009 - Ein Zeuge, früher leitender
Mitarbeiter in Grassers Kabinett, soll diesen bei der Staatsanwaltschaft schwer
belastet haben. Grasser habe demnach den Privatisierungsprozess zugunsten der
Immofinanz beeinflusst. Später stellt sich heraus, dass es sich um Michael
Ramprecht handelt. Grasser klagt Ramprecht wegen Übler Nachrede, dieser wird -
nicht rechtskräftig - verurteilt.
6. Oktober 2009 -Hausdurchsuchungen werden bei
Meischberger, Hochegger sowie in den Räumen der Firma Valora Solutions
durchgeführt, Valora Solutions war die ehemals gemeinsam betriebene PR-Firma von
Meischberger, Hochegger und Ex-Finanzminister Karl-Heinz Grasser. Bei Grasser
wird keine Hausdurchsuchung durchgeführt. Grasser erklärt, er habe ein
"supersauberes" Gewissen, die Privatisierung sei sauber und einwandfrei über die
Bühne gegangen.
19. Oktober 2009 - Wie erst zehn Monate später bekannt
wird, treffen einander Grasser, Meischberger und Plech bei Meischbergers Anwalt.
Laut Medien soll die weitere Vorgangsweise abgesprochen worden sein. Wie später
bekannt wird, besteht der Verdacht auf Beweismittelfälschung durch Vordatierung
einer Immobilieninvestvereinbarung zwischen Plech und Meischberger, die
Geldentnahmen Plechs von Meischbergers Konto erklären soll.
November 2009 - Grasser beklagt, dass er noch nicht
einvernommen worden ist: "Keiner will was von mir wissen."
Jänner 2010 - Die Ermittlungen werden auf den
Immobilienmakler Plech ausgedehnt.
26. Jänner: In Österreich und in Liechtenstein wurden 15
Hausdurchsuchungen durchgeführt, darunter auch bei Plech. Grasser wurde nicht
aufgesucht.
29. Jänner - Der frühere Rechnungshofpräsident und
heutige österreichische Beiratsvorsitzende des Antikorruptionsnetzwerks
Transparency International, Franz Fiedler, sinniert über die Rolle von Grasser:
Dieser habe "die legalen Möglichkeiten, die sich ihm geboten haben, voll
ausgeschöpft hat und bis an die Grenze gegangen ist." Auch seien einige Vorfälle
vorgekommen, "wo sich dann die Frage stellt, ob er nicht die Grenze schon
überschritten hat."
Februar - Laut Medienberichten belastet Meischberger
Plech, bei beiden soll die Justiz die Telefone abgehört haben.
April - Meischberger hat für Grasser und dessen damalige
Freundin im April 2004 eine Urlaubsreise auf die Seychellen bezahlt. Laut
Grasser hat er ihm den Betrag voll erstattet.
Neue Berichte über Zahlungen von Telekom und Post an die
Lobbyisten Meischberger und Hochegger tauchen auf.
Ex-RH-Präsident Fiedler forderte einen U-Ausschuss zur
Buwog-Affäre.
Mai - Grasser legt bei einer Pressekonferenz ein
geheimes Protokoll des parlamentarischen Rechnungshof-Unterausschusses vom 26.
November 2003 vor, das ihn entlasten soll. Schon damals sei das Verfahren zur
Auswahl der Investmentbank, die die Privatisierung begleitete, geprüft worden.
Der ihn nun belastende Ramprecht habe damals die Entscheidung für Lehman
Brothers verteidigt.
Die SPÖ wirft Justizministerin Claudia Bandion-Ortner
vor, die Ermittlungen gegen Grasser durch Vorhabensberichte zu verzögern, die
Ministerin weist die Vorwürfe zurück. Die ÖVP solle die "schützende Hand" von
Grasser nehmen, fordert SPÖ-Bundesgeschäftsführer Günther Kräuter.
Juni - Meischberger soll für seine Provision
Steuerbefreiung beantragt haben, weil alle Vorgänge rund um die
Buwog-Privatisierung steuerfrei gestellt worden seien.
Juli - Gegen Grasser wird auch wegen des Verdachts auf
Untreue bei der Auswahl der Investmentbank für den Buwog-Verkauf ermittelt.
15. Juli - Grassers Ex-Kabinettsmitarbeiter Ramprecht
wird wegen Übler Nachrede Grassers nicht rechtskräftig zu einer bedingten
Geldstrafe von 3.600 Euro verurteilt. Dass Grasser die Buwog-Privatisierung
beeinflusst haben soll, sei nicht erwiesen, es gebe nur Spekulationen aufgrund
vager Indizien, so Richter Gerald Wagner. Zum Vorwurf Ramprechts, dass Grasser
die Vergabe an die Investmentbank Lehman Brothers beeinflusst habe, wird der
Beklagte freigesprochen.
Grasser klagt den Grünen Abgeordneten Peter Pilz wegen
Übler Nachrede. Vom Glücksspielkonzern Novomatic seien insgesamt 450.000 Euro an
den Grasser-Freund Meischberger geflossen, davon 330.000 Euro über die
Gesellschaft Valora, an der Grasser nach seinem Ausscheiden als Finanzminister
beteiligt gewesen sei, hatte Pilz im Mai unter Berufung auf
Einvernahmeprotokolle Meischbergers vor der Staatsanwaltschaft erklärt.
Novomatic wies die Vorwürfe als "nicht nachvollziehbar und unschlüssig" zurück.
August - Meischberger verteidigt sich, er habe die
Kaufsumme "nicht wissen, nur spüren" können. Lobbying funktionere am besten,
"wenn man sich in einer Umgebung befindet, wo die Summe der legalen
Informationen in dichter Konzentration vorhanden sind". Er sei auch "kein
Steuerhinterzieher, vielleicht ein säumiger Steuerzahler".
Grasser bestätigt ein Treffen mit Meischberger und Plech
im Oktober 2009, er habe aber nur Meischbergers Anwalt geschildert, dass, was
seine Seite betreffe, alles "supertransparent" abgelaufen sei. Er freue sich auf
seine bevorstehende Einvernahme durch die Staatsanwaltschaft am 2. September.
2. September - Die Staatsanwaltschaft hat die
Einvernahme Grassers zu den Themen Buwog und Novomatic-Zahlungen anberaumt. Es
gilt die Unschuldsvermutung. (APA)
Ex-Finanzminister Karl-Heinz Grasser bietet von sich aus
die Offenlegung aller Kontenbewegungen an, nachdem die Staatsanwaltschaft per
Gerichtsbeschluss die österreichischen Banken auffordern ließ, alle
Kontoverbindungen des Ex-Ministers auszuforschen. (Presse, 15.9.2010)
November 2010:
Grasser-Konten vor Offenlegung: Mehrere Banken
erhalten gerichtliche Anordnung Interessant ist der weit zurück reichende
Untersuchungszeitraum. Die Kontenöffnung umfasst die vergangenen zehn Jahre und
damit Karl-Heinz Grassers gesamte Amtszeit als Finanzminister.
Die Banken wurden laut Anordnung dazu verdonnert folgende Unterlagen zugänglich
zu machen: „Offenlegung aller „Buchungsbelege für den Zeitraum von 1. Jänner
2001 bis laufend ... Alle Unterlagen über die Identität des Konteninhabers; alle
Unterlagen über die Identität allenfalls weiterer noch zeichnungsberechtigter
Personen; Konto-/Depotnummern und Zeitraum des Bestehens der Konten und
Wertpapierdepots.“
Abgehört: Grasser gab Meischberger
"harmlosen Rat"
Dezember 2010: Polizeiliche Telefonabhörprotokolle von
Gesprächen zwischen Ex-Finanzminister Karl-Heinz Grasser und dessen Freund und
Geschäftspartner Walter Meischberger hat die Wiener Wochenzeitung "Falter"
nach eigenen Angaben "zugespielt" erhalten. Der Telefonlauschangriff belaste
Grasser und Meischberger....Im Zentrum stehen rund 800.000 Euro vom Baukonzern
Porr...
Porr habe laut Magazin "gerade zu jener Zeit, als Karl
Heinz Grasser seine Beamten aus den Immobilien des Staates in private Hochhäuser
umsiedelte", rund 825.000 Euro an Meischberger und Hochegger überwiesen. Bei den
Einvernahmen habe Meischberger aber keine Erklärung für die hohen Provisionen
anzubieten gehabt. Laut bei einer Hausdurchsuchung in Meischbergers Villa
sichergestellten Honorarnoten hatte Meischberger am 23. Mai 2005 an die
Porr-Tochterfirma "UBM-Realitätenentwicklung AG" eine 600.000 Euro-Provision
fakturiert. Seine Werbeagentur "zehnvierzig" habe dafür einen Mietvertrag im
Hotel "Holiday Inn" in München vermittelt.
Die Ermittler hätten jedoch einen anderen Verdacht: "Es
besteht der Verdacht", so das Bundeskriminalamt laut "Falter", "dass die Zahlung
der UBM in Höhe von 600.000 Euro an Meischbergers "zehnvierzig GmbH", die über
das Projekt Holiday Inn Hotel München in der UBM widerrechtlich verbucht wurde,
tatsächlich jedoch im Zusammenhang mit der Brehmstraße in Wien steht und unter
Umständen für das Zustandekommen eines Mietvertrages zwischen der UBM und dem
Bundesministerium für Finanzen bezahlt wurde."...Auch eine Porr-Zahlung von rund
200.000 Euro an Meischberger gebe Rätsel auf, heißt es. (Die Presse, 7.12.10)
Jänner 2011: Hat Grasser auch Steuern
hinterzogen? Im Zuge der BUWOG-Ermittlungen prüft die Staatsanwaltschaft Wien
nun auch eine von Grasser gegründete Privatstiftung, die der Finanzminister laut
Anwalt nur zu einem Zweck gegründet hat: "Um im Falle des Ablebens eine
Altersvorsorge bzw. -versicherung für seine Familie zu gewährleisten." Grasser
sei Gründer und auch Begünstigter der Stiftung, das Geld stamme aus seiner
Tätigkeit als Meinl-Manager (Während Grasser bei seinem Meinl-Engagement
Millionen einstreifte, schauten die einfachen MIP -Aktionäre durch die Finger:
Der Wert der Aktie ist seit der Ausgabe im August 2007 um 94 Prozent gefallen -
von zehn Euro auf 62 Cent. Weil es bei der MIP nicht mehr viel zu holen gibt,
kann sich Grasser wieder verstärkt auf seine 2007 gegründete
Beteiligungsverwaltung Valuecreation konzentrieren. Diese erzielte 2008 (letzte
verfügbare Zahlen) einen Bilanzgewinn von 960.000 Euro. Entgegen seiner
ursprünglichen Aussage, Partner für einen Einstieg gefunden zu haben, werkelt
Grasser dort als Manager noch immer alleine.) Die BUWOG-Ermittler dürften von
der Stiftung vorerst jedoch nichts gewusst haben - obwohl Grasser im Vorjahr
erklärt hatte, er werde seine Konten und Sparbücher, kurzum: alle
Eigentumsverhältnisse, gegenüber der Justiz offenzulegen. "Eine Stiftung ist
eben kein Konto", sagte dazu gestern Grassers Anwalt Ainedter. (Kurier,
7.1.2011)
Februar 2011:
Normalerweise reden Politiker darüber, wenn sie
Gutes tun. Speziell im Sport, besonders im Fußball, der ob seiner
Massentauglichkeit am besten als Bühne für populäre Botschaften und
Selbstdarstellung taugt. Doch im Dezember 2003, da verhielt sich die Sache
anders. Ganz anders. Da wollte kein führender Sport-Politiker Österreichs für
sich in Anspruch nehmen, die Spendierhose angezogen und das Füllhorn über den
österreichischen Nachwuchsfußball ausgeschüttet zu haben. Seltsam. Ganz seltsam.
Dabei ließe sich doch gerade eine Förderung für den Jugendfußball im Vorfeld der
Fußball-Europameisterschaft ideal in der Öffentlichkeit vermarkten.
Doch diesmal kam nichts. Gar nichts.
Aus gutem Grund: KURIER-Recherchen ergeben, dass der gesamte Nationalrat von
Mitgliedern der Regierung getäuscht wurde, um eine als Jugend-Förderung getarnte
Euro-Million in Richtung Fußball-Bundesliga zu transferieren, damit diese ihre
Finanzschuld tilgen konnte. Niemals war das Geld, für welches das Parlament
sogar eigens ein Gesetz beschließen musste, für Nachwuchskicker gedacht. Das
Geld kam nie dort an. Es war ein falsches Spiel. Der Verdacht auf
Amtsmissbrauch, Anstiftung zum Amtsmissbrauch und Förderbetrug scheint nach den
Unterlagen, die dem KURIER vorliegen, allerdings aktueller denn je. Auf diese
Straftatbestände stünden - bei einer Schadenssumme von einer Million Euro - ein
bis zehn Jahre Haft. Verjährungsfrist: zehn Jahre. Der damalige Finanzminister
verlautete zuletzt, die Sache sei lediglich "auf Beamtenebene abgelaufen." Und
Intimus Westenthaler beeilte sich zu bekräftigen, alles sei in Ordnung, und
Grasser habe damit "nichts zu tun."
Stimmt so nicht. Nicht laut den internen Protokollen der Bundesliga. Gegenüber
seinem Aufsichtsrat rühmte sich Westenthaler nämlich damals, er habe die
Finanzschuld der Bundesliga reduzieren können. Wörtlich spricht er laut dem
Protokoll von "(...) Bedingungen, welche zwischen ihm und Bundesminister
Grasser vereinbart wurden." Darüberhinaus gab es zumindest ein Treffen der
Bundesliga-Spitze im Finanzministerium, an dem auch Grasser teilgenommen hat.
Jänner 2011:
Karl-Heinz Grasser hat bei der Einmietung des Finanzamts Linz in ein Gebäude der
Porr im Jahr 2006 öffentlich die Unwahrheit gesagt. Seine Freunde verdienten an
dem Geschäft prächtig....Wie profil zu Beginn des
Vorjahres berichtete, verrechnete Meischberger dem Baukonzern Porr im
Zusammenhang mit der Übersiedlung des Finanzamts Linz in ein von der Porr selbst
aufgezogenes Immobilienprojekt 200.000 Euro für nicht mehr nachvollziehbare
Leistungen (profil 05/10). Mittlerweile haben die Ermittler weitere unschöne
Details zutage gefördert, die auch Karl-Heinz Grasser in Erklärungsnotstand
bringen.
Wie sich heute herausstellt, hat der damalige Finanzminister in diesem
Zusammenhang Anfang 2006 öffentlich die Unwahrheit gesagt. Das geht aus
Ermittlungsakten des Bundeskriminalamts hervor, die profil vorliegen. Sie
belegen, dass der Zuschlag für das Porr-Projekt in Linz offenbar schon
beschlossene Sache war, noch bevor Grasser darüber überhaupt offizielle
Gespräche aufgenommen haben wollte.
Jänner 2011: Grasser als Steuersünder
Wie das Magazin „Format“ berichtet, hat Grasser bereits im
Herbst Selbstanzeige beim zuständigen Finanzamt in Wien erstattet. Grassers
Anwalt, Manfred Ainedter, bestätigt das. Es handle sich um Erträge in der
Größenordnung von 18.000 Euro. Diese stammen von Wertpapieren, die sein Mandant
in Kanada angelegt hat. Natürlich habe Grasser seine Schuld „unverzüglich“
nachbezahlt. Konkret geht es um den Zeitraum von 2002 bis 2008. Mögliche ältere
Steuerschulden wären irrelevant, weil mittlerweile verjährt. Jedenfalls ist die
Causa politisch brisant, da Grasser von 2000 bis 2007 Finanzminister war und
sich die Zeiträume daher überschneiden.
Nun auch noch AVW:
Die Klagenfurter Staatsanwaltschaft soll ihre
Ermittlungen im Fall AvW auf den ehemaligen Finanzminister ausgeweitet haben.
"Da ist nichts dran", sagt Grassers Anwalt. Grasser wurde mit der
Prüfung der AvW nie befasst, zudem war die BWA weisungsfrei". Die Nennung des
zuständigen Ministers als Beschuldigten in dem Zusammenhang sei "Formalsache",
sagte ein Sprecher der Klagenfurter Staatsanwaltschaft....Wie bisher ans Licht
kam, musste das Klagenfurter Finanzamt in den Jahren 2001 und 2005
AvW-Großbetriebsprüfungen auf Anordnung des zuständigen Gruppenleiters
abbrechen.
Grassers Nerven beginnen blank zu liegen:
Vier Seiten ist er lang, der offene Brief an
Justizministerin Claudia Bandion-Ortner. Darin legt Karl-Heinz Grasser umfassend
dar, was ihn alles an der österreichischen Justiz stört: Etwa dass „völlig
willkürlich“ ein Finanzstrafverfahren gegen ihn eröffnet wurde. Oder dass seit
nunmehr 16 Monaten vertrauliche Dokumente aus dem Ministerium an Medien
weitergegeben werden, „um mich öffentlich zu denunzieren“. Besonders „entsetzt
und empört“ ist Grasser aber, dass im Audimax der Universität Wien unter
„Gejohle und Gepfeife der Gäste“ ein Kabarett stattgefunden habe. Damit bezieht
sich der einst populäre Politiker auf die Show „Da bin ich jetzt supernackt“ von
Florian Scheuba, Robert Palfrader und Thomas Maurer. Die nächste Aufführung soll
übrigens am 1. Februar stattfinden – sofern Bandion-Ortner der Aufforderung
Grassers nicht nachkommt und dies auch weiterhin „sanktionslos zur Kenntnis
nimmt“. Der Exminister fühlt sich benachteiligt: Langsam, aber sicher würden die
Ermittlungsverfahren gegen ihn zu einem „Schauprozess“ verkommen. Das zerstöre
nicht nur seine Reputation, sondern füge ihm auch „großen wirtschaftlichen
Schaden zu“. Seit seinem Rückzug aus der Politik arbeitet Grasser nämlich als
Privatier und Berater. Der Exminister fühlt sich benachteiligt: Langsam, aber
sicher würden die Ermittlungsverfahren gegen ihn zu einem „Schauprozess“
verkommen. Das zerstöre nicht nur seine Reputation, sondern füge ihm auch
„großen wirtschaftlichen Schaden zu“. Seit seinem Rückzug aus der Politik
arbeitet Grasser nämlich als Privatier und BeraterDeshalb fordert er die
Justizministerin nun auf, wegen Amtsmissbrauch zu ermitteln. Nicht gegen ihn
(passiert schon), sondern gegen die Mitarbeiter des Ministeriums.

Das Problem: Stimmt es, dass Grasser die Wohnung mit
Gewinnen seiner Stiftung finanziert hat, hätte er dafür Steuern zahlen müssen.
Anwalt Ainedter will sich dazu nicht äußern, ebenso wie Bandion-Ortner zu
Grassers Vorwürfen.
Sehr wohl geäußert hat sich Grassers Frau Fiona: In
einem Interview mit „Österreich“ verweist die Swarovski-Erbin darauf, dass auch
Marilyn Monroe einst medial verfolgt wurde – und daran zerbrach. Umso mehr
bewundere sie nun ihren Gatten, der an der Hetzjagd gegen ihn nicht zerbreche,
sondern „gut damit fertig wird“. ("Die Presse", Print-Ausgabe, 27.01.2011)
Februar 2011: Neue
Abhörprotokolle: Was Grasser und Meischberger zwischen 21.29 und 21.50 Uhr
im Detail bequatscht haben, geht aus neuen Telefonüberwachungsprotokollen
hervor, die die grüne Nationalratsabgeordnete Gabriela Moser im Rahmen einer
parlamentarischen Anfrage nun veröffentlicht hat. Moser: „Die Protokolle zeigen,
dass Karl-Heinz Grasser dem Vorschlag nicht ablehnend gegenüberstand, einem
Staatspolizisten gegen Geld Informationen zum Buwog-Verfahren zu entlocken.“
FORMAT präsentiert exklusiv die brisanten Buwog-Dialoge zwischen KHG und „Meischi“:
Meischberger: Jetzt pass auf, da ruft mich der Franz Koloini noch
einmal an (…) dieser Typ hat angeboten, den ganzen Kontakt zum STA (Anm.:
Staatsanwaltschaft) Menschen, der die Dinge bearbeitet, von wo er die
Information hat, herzustellen und den ganzen Verhandlungsstand uns zu geben,
verbunden mit Tipps, auf was wir vielleicht aufpassen sollen und was wir noch
machen müssen und so weiter, für Geld.
Grasser: Was, für Geld?
Meischberger: Für Geld, ja das ist ein Staatspolizist.
Grasser: Aber zu wem in der STA aufzumachen?
Meischberger: Zu dem Bearbeiter in der STA und der ihm das alles
gesteckt hat, dass der von der oberen STA-Ebene herunter den Druck macht usw.
und der mit der Sache befasst ist, in der Bearbeitung in der STA. Ich weiß
nicht, wer das sein kann. Sicher kein Staatsanwalt, sondern das muss ein Helfer
des Staatsanwaltes oder irgendwas sein. Und dann fragte ich, um was geht es da.
Um 5.000 Euro.
Grasser: Was?!
Meischberger: Viel Geld ist es nicht, aber nicht viel. Aber
eigentlich nichts. Aber es ist eine klassische Geschichte vom bestochenen
Beamten um 5.000 Euro.
Grasser (Gedankenpause): Ich bin irgendwie sprachlos bei den
Dingen, die du mir sagst. Dass das Land so korrupt ist und so beschissen
funktioniert und so politisch gelenkt ist, macht mich wirklich sprachlos. Du ich
glaub ganz ehrlich, du kannst das nur aufbauen als Falle und ein Mikrophon
umhängen in irgendeiner Form, das mitrennt, wo du jederzeit den Beweis führen
kannst, dass du sozusagen das nie machen wolltest. Das musst du mit G. bereden.
In der Zwickmühle sitzen auch die beiden selbst, weil sie der Buwog-Zund
interessiert. Doch wie kommen sie an die Infos, ohne mit der Bestechung eines
Amtsträgers in Zusammenhang gebracht zu werden? Sie entwickeln eine Idee:
Meischberger: Wegen Franzi ruf ich an, aber ich werde dem nicht
nähertreten.
Grasser: Wirst du dem nicht nähertreten.
Meischberger: Ich würde sagen, vielleicht ist das auch eine Falle.
Grasser: Ja, darum sage ich, dass man das nur so machen kann, dass
man vorher einen Notariatsakt so sinngemäß, mit dem G. zum Notar geht, man gibt
dort zu Protokoll, dass man dort nie vorhat, irgendetwas zu tun, dass man
sämtliche Informationen, die man bekommt, offen legen wird. Ich seh die
Möglichkeit in dem Umstand, in die Offensive zu gehen und sich in eine
Pressekonferenz zu setzen und zu sagen, so lässt man sich von einer korrupten
Behörde überhaupt nicht mehr behandeln und vorführen. Den Spieß einfach
umzudrehen. Um das Ganze so zu verpolitisieren, wie es offensichtlich läuft von
der anderen Seite. Das ist die einzige Chance, die ich sehe. Und wenn es eine
Falle ist, eine Gegenfalle daraus zu machen, um zu sagen, Freunde, wir waren bei
einem Notar mit unserem Anwalt, haben dort dokumentiert, dass wir dem natürlich
nicht nähertreten. Dass es aber offensichtlich der Republik dient, wenn man ein
strafrechtliches Verhalten eines Beamten aufdeckt, der für Geld Informationen
verkaufen will. So was kann man nur spielen und tausendprozentig sichergehen.
Meischberger: Oder du zahlst und gehst hin und schickst einen
anderen und gehst nicht selber hin. Also, dann ist es eine andere Strategie,
dann ist die Hoffnung, dass es zu einer Information kommt, die uns weiterhilft.
Grasser: Wie immer, da kann man nachdenken …
Meischberger: Ich muss den Franz mal anrufen, der trifft ihn
morgen wieder …
Grasser: Vielleicht kannst du einmal den Staatspolizisten treffen.
(…)
Keine Anzeige
Die Abgeordnete Moser kritisiert, dass Grasser diesen Vorfall nicht sofort bei
der Korruptionsstaatsanwaltschaft angezeigt hat. Die wurde erst nach der
Telefonüberwachung von der Kripo in Kenntnis gesetzt. Grasser, der der Justiz in
der TV-Sendung „Im Zentrum“ nahegelegt hat, Amtsmissbrauch strenger zu
verfolgen, will die Causa gegenüber FORMAT nicht kommentieren. Zu mutmaßlichen
Absprachen, die aus den Protokollen hervorgehen, wie etwa über
Informationskanäle und Mittelsmänner, schweigt er auch.
Meischberger: Ja mit G. hab ich eh schon telefoniert. Und der sagt,
kommt gar nicht in Frage, dafür brauchen wir gar nicht bezahlen, da haben wir
alle Zugänge. Weil da geht er zur W. Hab ich dir gesagt, dass B. sich angeboten
hat, jederzeit mit ihm zu W. zu gehen und alle Dinge zu klären. Er hat heute
lange mit B. geredet, und B. hat eine enge Verbindung zu W., und die W. ist die
Oberaufseherin vom D.
Grasser: OK, ah so, sie ist die Chefin vom D. Sie ist die leitende
Staatsanwältin. Ah, OK.
Meischberger: Ja, da haben wir beste Zugänge über B.
Grasser: Na gut, das wäre gut, wenn B. mal auslotet, was da
dahintersteht und was da läuft.
Meischberger: Nein, das brauchen wir gar nicht, wir brauchen nur
G. Also der W. sagen, dass G. kommt.
Grasser: Na ja, das schon. Aber vielleicht kommt der B. drauf, was
da politisch dahintersteckt.
Meischberger: Nein das weiß er eh. Er sieht das ganz zentral auf
Grasser gerichtet.
Grasser: Ja, das schon, aber von wem, von der SPÖ, von irgendwem
Spezifischen.
Meischberger: Nein, das glaub ich auf keinen Fall, dass es so
direkt politisch gesteuert ist.
Grasser: Ich hab niemandem was getan in meiner Karriere, verstehst
du (…).
Die Porr-Affäre
Auch für konkrete Themen war Zeit. So besprechen Grasser und Meischberger die
Provision von der Porr, wo am Tag des Telefonats Hausdurchsuchungen stattfanden.
Sie wollen „ZiB 2“ schauen, wo die Razzien Thema waren und Korruptionsjäger
Franz Fiedler als Studiogast angekündigt wurde.
Meischberger: Das passt natürlich ins Bild. Dass der Fiedler sich
wegen diesem Schas in die ZiB 2 setzt. Bin gespannt, wie der Franz da tut, was
er sagt.
Grasser: So freundlich wird der nicht sein.
Meischberger: Ich glaube, der wird neutral durchfahren. Aber dass
sie solche Aufgebote machen. Ich darfs ja gar nicht sagen. Aber ich bin
beruhigt, weil das für mich bedeutet, dass sie bei der anderen Geschichte (Anm.:
Buwog-Affäre) total anstehen.
Grasser: Das wundert mich auch nicht, dass sie bei der anderen
Geschichte anstehen, weil wo wollen sie weitertun bei der anderen. Es gibt auch
bei der anderen nichts. Du hast deine Selbstanzeige gemacht …
Meischberger: Und alle Aussagen werden irgendwie bestätigt. Aber
was mir nur nicht passt, dass (…) also gestern noch der Buwog-Großangriff und
sie heute in der Porr-Geschichte hinausfahren. Da kann ich mir nicht wirklich so
einen Reim machen.
Die Staatsanwaltschaft ist ebenfalls ratlos. Sie wundert sich, dass Meischberger
unveröffentlichtes Detailwissen zu den Razzien hat. So erzählt er Grasser: „Dann
haben die die Porr überfallen und haben, wir reden von einer
200.000-Euro-Rechnung, ja da geht es um eine Steuergeschichte um 100.000 Euro.
Für das haben sie bei der Porr den kompletten Kundenserver abgebaut und
mitgenommen. Was das heißt. Das ist ein Weltkonzern, die Porr. Die sagten, seid
ihr verrückt, das kann ja nicht wahr sein, für diese Geschichte. Die haben den
Kundenserver, den Datenserver, wo alle Kunden drauf sind, abgebaut und
mitgenommen, musst dir vorstellen.“
Geheimtreffen
Für die grüne Abgeordnete Moser sind die Abhörprotokolle ein weiterer Hinweis
darauf, dass sich KHG und Meischberger in der Buwog-Affäre abgesprochen haben.
Februar 2011: Wie
berichtet, hat der ehemalige Finanzminister zwischen 1999 und 2008 aufgrund von
nicht versteuerten Wertpapier-Gewinnen rund 27.600 Euro an Einkommenssteuer
hinterzogen; rund 8800 davon gelten als verjährt. Diese Steuerschuld, die sich
Grasser "erspart" hat, will er nun tilgen.
Geheimkonten
Die vom Nachrichtenmagazin Format aufgedeckte
Existenz eines bisher nicht bekannten Schweizer Bankkontos wollte der
Ex-Minister nur so kommentieren: "Ich habe keine Geheimkonten, weder in
Liechtenstein noch in der Schweiz."
Interessant ist allerdings, dass offenbar Grassers Steuerberater die Justiz auf
die Spur des Ex-Ministers brachte. Laut Protokoll waren an der Rückzahlung eines
millionenschweren Sanierungsdarlehens der Meinl Bank für Grassers Penthouse in
der Wiener Innenstadt Grassers Liechtenstein-Stiftungen bzw. eine zypriotische
Tochtergesellschaft beteiligt.
"Was ich angeben kann, ist, dass die Valuecreation (Grassers österreichische
Firma, Anm.) 2007 von der Silverwater eine Million Euro, im Jahr 2008 1,5
Millionen Euro und im Jahr 2009 1,5 Millionen Euro Beratungshonorar erhalten
hat", zitiert Format den Steuerberater.
Wieso die eine Grasser-Firma, Silverwater, der anderen Grasser-Firma,
Valuecreation, vier Millionen scheibchenweise für den Börsengang der Meinl
International Power zahlt, ist für die Ermittler ein Rätsel.
Grasser selbst findet nichts dabei: "Im Unterschied zu Unternehmen, die Geld ins
Ausland transferieren und sich Verluste steuerlich gutschreiben lassen, habe ich
Geld nach Österreich überwiesen."
Februar 2011:
Grasser wird auch zu AvW einvernommen
Kommende
Woche muss der Ex-Minister in Klagenfurt Fragen zur AvW-Pleite
beantworten. "Reiner Formalakt", sagt sein Anwalt
Neue
Einvernahmen kommen auf Grasser zu, der Themenbereich zumindest ist
kommende Woche ein anderer.
Auch kommende Woche muss Karl-Heinz
Grasser wieder zur Einvernahme, diesmal nach Klagenfurt. Es geht nämlich
nicht um Fragen zur Buwog-Privatisierung oder um seine Konten- und
Firmennetzwerk, sondern um Ermittlungen der Justiz im AvW-Verfahren. Der
Ex-Finanzminister sei in der AvW-Sub-Causa Finanz und
Bundeswertpapieraufsicht (BWA) in den Kreis der Beschuldigten aufgenommen
worden, berichtet der Standard.
Die Einvernahme solle am Dienstag stattfinden. Für Grassers Anwalt,
Manfred Ainedter, ist die Sache "ein reiner Formalakt und nicht ernst zu
nehmen".
Grasser sei nämlich mit den Prüfungen der AvW nicht befasst gewesen, er
sei aber angezeigt worden, und daher müsse die Behörde pflichtgemäß tätig
werden, sagte Ainedter. Der Anwalt will versuchen, den Termin zu verlegen:
Grasser müsse am Mittwoch wegen des Hypo-U-Ausschusses sowieso in
Klagenfurt sein.
Neues Grasser-Konto in der Schweiz
Von dem Bankkonto flossen 2009 über drei Millionen auf ein
KHG-Privatkonto - Geheimvertrag mit Meinl aufgetaucht
Wien - Laut dem Magazin "Format" gibt es in Sachen privater
Finanzpolitik des Karl-Heinz-Grassers schon wieder Neuigkeiten. Die
Ermittlungen im Finanzstrafverfahren gegen den Ex-Finanzminister brachten
ein bislang unbekanntes Bankkonto in der Schweiz ans Tageslicht. Dabei
handelt es sich um ein Konto bei der Alpha Rheintal Bank. Von diesem
Geheimdepot flossen im Jahr 2009 über drei Millionen auf ein
KHG-Privatkonto in Wien. Mit dem Geld deckte Karl-Heinz Grasser laut dem
Bericht ein Wohnbaudarlehen bei der Meinl Bank ab, die ihm zuvor bei der
Sanierung seines Penthouses in der Wiener Babenbergerstraße finanziell
unter die Arme gegriffen hatte.
April 2011:
Liechtenstein lässt Grasser-Konten öffnen
WIEN. Liechtenstein hat auf ein Amtshilfe-Ersuchen der
Republik Österreich reagiert und der Öffnung möglicher Konten von
Ex-Finanzminister Karl-Heinz Grasser zugestimmt. Auf die Beantwortung der
Amtshilfe-Ersuchen an Zypern und die zu Großbritannien gehörenden
Kanalinseln müssten die Staatsanwälte noch warten, heißt es in einem
Bericht in der Tageszeitung „Österreich".
Grasser werde nach der Auswertung der neuen Erkenntnisse
erneut von der Staatsanwaltschaft Wien einvernommen. Mittlerweile habe es
in der Causa Grasser an die 50 Hausdurchsuchungen und mehr als 100
Einvernahmen gegeben, heißt es in dem Bericht weiter.
Die Firmenkonstruktionen Grassers sind eine Herausforderung für die
Ermittler. Auch Wirtschaftstreuhänder Karl Bruckner meinte, dass die
steuerlichen Vorteile dieser Konstruktionen zu hinterfragen seien. Diese
hätten nur dann einen Sinn, wenn man „die Quelle der Einkünfte nicht
offenlegen" möchte. Er hält die Zahlungsflüsse des Ex-Finanzministers für
„nicht besonders durchsichtig".
Mai 2011:
Unbekanntes Grasser-Konto in Liechtenstein?
Mit neuen Angaben aus Ermittlungsakten der Buwog-Affäre
lässt das Magazin „Format" wieder aufhorchen: Die Ermittler hätten ein
bisher unbekanntes Nummernkonto in Liechtenstein gefunden, eine „heiße
Geldspur" zu Ex-Finanzminister Grasser werde untersucht.
Das Nummernkonto „15444" bei der Hypo Investment Bank (HIB)
in Liechtenstein sei im Jahr 2001 von Walter Meischberger eröffnet worden,
doch dahinter werde Grasser vermutet, so das „Format". Auf dem 15444-Konto
sei ein Teil der Millionenprovision aus dem Buwog-Deal des Jahres 2004
gelandet. Grasser hat stets dementiert, von der Buwog-Provision von 9,6
Mio. Euro des siegreichen Bieters Immofinanz profitiert zu haben.
Diverse Geldflüsse zwischen verschiedenen Konten wecken nun die Zweifel
der Ermittler, so das Magazin. Es gehe dabei um Verbindungen zu Grasser
zugerechneten Konten. Grasser und sein Anwalt wollten die Vorwürfe
gegenüber „Format" nicht kommentieren, so das Magazin.
Mai 2011: 10 Hausdurchsuchungen bei
Grasser
Finanz will fast drei Millionen zurück - Gilt das neue
Finanzstrafgesetz?
Karl-Heinz Grasser droht mehr Ungemach als bisher bekannt. Wie aus
Ermittlerkreisen zu erfahren ist, liege der vermutete hinterzogene
Steuerbetrag "näher bei drei als bei zwei Millionen Euro". Sollte es sich
beim Stiftungs- und Firmennetzwerk mit Einheiten in Liechtenstein, Tortuga,
Virgin Islands oder Zypern um eine Scheinkonstruktion handeln, würden alle
erzielten Einkünfte Grasser als Person zugerechnet.
Neben der Einkommensteuer könnte ihm auch eine Nachzahlung von
Sozialabgaben und Schenkungssteuer (für die Einbringung von Vermögen in
Stiftungen, die Höhe hängt vom Verwandtschaftsgrad ab) aufgebrummt werden,
heißt es in informierten Kreisen. Zudem wird geprüft, ob es sich bei von
Stiftungen gewährten Krediten um eine verdeckte Gewinnausschüttung
handelt. In der Regel hängt die Unterscheidung davon ab, ob die Verzinsung
marktkonform ist.
Gegen die Hausdurchsuchungen vom Donnerstag, bei der
35
Kartons mit Akten sowie Laptops und Handys beschlagnahmt wurden,
hat der Ex-Finanzminister Beschwerde eingebracht. Sie hat
allerdings keine aufschiebende Wirkung.
8.8.2011: Ex-Finanzminister Karl-Heinz Grasser ist in der Causa
Buwog wieder einmal von den Ermittlern einvernommen worden. Der Sprecher
der Staatsanwaltschaft Wien, Thomas Vecsey, sprach von einer
"routinemäßige weitere Einvernahme in der Strafsache Buwog". Sie fand
schon am Freitag vergangener Woche statt, kurz bevor Grasser seinen Urlaub
am Wörhtersee antrat. Seit seiner ersten Einvernahme durch die Justiz im
Buwog-Verfahren im September 2010 war der beschuldigte Ex-Minister bereits
mehrmals befragt worden.
7.10.2011: Schwiegermutter-Protokolle belasten Grasser
Das
Nachrichtenmagazin "Format"
veröffentlichte Details
aus den mehr als 250 Seiten starken Einvernahmeprotokollen zur
Buwog-Affäre. Neues gibt es dabei zu den Botenfahrten von Grasser für
seine Schwiegermutter Marina Giori-Lhota: Grasser hat laut Bericht bei der
Staatsanwaltschaft angegeben, er habe das Geld für seine Schwiegermutter
in drei Tranchen von der Schweiz nach Österreich gebracht. "Meine
Schwiegermutter hat mir 100.000 Euro in die Hand gedrückt, und hat gesagt:
'Schau, dass Du bestmöglich Geld veranlagen kannst'", zitiert "Format" aus
dem Einvernahmeprotokoll.
"Im Dezember sind es weitere 330.000 Euro geworden und im Jänner oder
Februar sind es weitere 70.000 Euro geworden und dann waren die 500.000
Euro da. Dann haben wir mit der Geldveranlagung angefangen", so Grasser
laut Bericht. Mit der halben Million engagierte sich Grasser bei der
Investorengruppe von Tilo Berlin.
Marina Giori-Lhota widerspricht laut "Format" ihrem
Schwiegersohn Karl-Heinz Grasser: Einem dem Magazin vorliegendem
Polizeibericht, der im Mai 2011 bei der in Kitzbühel durchgeführten Razzia
verfasst worden sei, bestreite Giori-Lhota die Version ihres
Schwiegersohns.
Damals sei sie von ihrem Ehemann Adalbert Lhota im Beisein
der Polizeibeamten angerufen worden. Lhota habe ihr die im
Hausdurchsuchungsbefehl festgehaltenen Vorwürfe bezüglich der
Bargeldtransporte geschildert. "Format" zitiert aus dem polizeilichen
Aktenvermerk vom 26. Mai 2011: "Auf die Frage, was seine Frau zum
Vorgelesenen sage, teilte er mit, dass Giori-Lhota die Ausführungen der
vorgelesenen Seiten absolut in Abrede stellt."
Format:
EXKLUSIV: Die Grasser-Protokolle
Was KHG in den insgesamt 6 Verhören gesagt hat
'In ein schmales Kuvert geht das nicht hinein'
FORMAT liegen exklusiv die KHG-Verhöre in der Buwog-Affäre
vor. Brisante Erkenntnis: Die Schwiegermutter widerspricht seiner
Darstellung, er habe für sie 500.000 in bar transportiert und investiert.
Unzählige Stunden wurde Karl-Heinz Grasser von den Staatsanwälten
Gerald Denk und Hannes Wandl in die Mangel genommen. Die Orte wechselten,
aber die Themen blieben gleich: Von Buwog über Hypo Alpe Adria bis
Glücksspielgesetz-Novelle und Telekom Austria. Die erste Einvernahme fand
im Herbst 2010 statt, der letzte Termin im vergangenen Sommer. Über die
Inhalte der Grasser-Einvernahme wird bereits seit Monaten heftig
spekuliert.Nun liegen FORMAT exklusiv die streng unter Verschluss
gehaltenen KHG-Protokolle vor. In seinen Einvernahmen rechtfertigt der
selbst ernannte „Mister Nulldefizit" wortreich seine dubiosen
Geldgeschäfte mit der Schwiegermutter, seine Rolle beim Buwog-Deal und wie
er Teil der Investorengruppe von Tilo Berlin wurde. Außerdem verteidigt er
die Gespräche mit Novomatic und Telekom Austria bezüglich einer Novelle
des Glücksspielgesetzes und seine Stiftungskonstruktionen in
Liechtenstein.FORMAT präsentiert einen ersten Auszug aus den mehr als 250
Seiten umfassenden Grasser-Protokollen, die nicht nur Einblick in komplexe
KHG-Deals gewähren, sondern auch heißer Zündstoff für den neuen
Korruptions-U-Ausschuss sind.1. Grasser zur Treuhandvereinbarung mit
der SchwiegermutterKarl-Heinz Grasser jonglierte als Finanzminister
mit einer halben Million Euro. Das Geld erhielt er in drei Tranchen von
seiner Schwiegermutter Marina Giori-Lhota, behauptet er. Der Staatsanwalt
fragte ihn im September 2010 zu den „Inhalten des mündlichen Vertrags
(Dauer, Risiken, Strategie, Rückzahlung)". Grasser erklärte die
Geschichte so:„Das erste Treffen fand im Mai, Juni oder Juli 2005 in Zug
statt, und dann hat es ein zweites Treffen gegeben im Dezember. Aber
konkret war die Idee dazu und die erste Geldübergabe irgendwann in diesen
drei Monaten in Zug in der Schweiz im Jahr 2005."Wie lange dauerte die
Vereinbarung?„Das war relativ einfach, das war von ihrer Seite – aus
meiner Erinnerung her – nicht geplant. Es hat sich einfach im Gespräch
ergeben. Sie hat gesagt: ‚Schau, nimm 100.000 Euro, und schauen wir
einmal, wie du Geld veranlagen kannst‘, und dann haben wir weitergeredet,
und dann hat sie gesagt, na eigentlich schauen wir, dass wir bzw. dann
habe ich auch gesagt: ‚Wir brauchen eine vernünftige Größenordnung einer
möglichen Geldveranlagung‘ und so sind dann die 500.000 Euro entstanden."Zuerst
gab es eine 100.000-Euro-Treuhandvereinbarung?„Sie stellen sich das zu
formalistisch vor. Wenn Sie in Ihrer Familie irgendetwas machen, nachher
reden Sie nicht darüber, dass das eine Treuhandvereinbarung ist, die über
500.000 Euro geschlossen wird, sondern meine Schwiegermutter hat mir
100.000 Euro in die Hand gedrückt und hat gesagt: ‚Schau, dass du
bestmöglich Geld veranlagen kannst.‘ Im Dezember sind es weitere 330.000
Euro geworden, und im Jänner oder Februar sind es weitere 70.000 Euro
geworden, und dann waren die 500.000 Euro da. Dann haben wir mit der
Geldveranlagung angefangen."Die Details über Weitergabe und Überleitung
des Bargelds?„Meine Schwiegermutter hat einen großen Safe in der
Wohnung. Wenn Sie hineinkommen bei der Tür, glaube ich, nach der
Eingangstür irgendwo rechts. Es ist weder das Wohnzimmer, Esszimmer,
Schlafzimmer, sondern der Raum hat so einen Vorraumcharakter. Dort ist der
Safe, und dort hat sie das Geld herausgenommen und mir gegegeben."Waren
Sie dabei, als sie das Geld herausgenommen hat?„Ob ich daneben
gestanden bin, glaube ich nicht. Weil ich schau ja nicht meiner
Schwiegermutter über die Schulter, wenn die den Safe aufmacht. Hat mich
nicht interessiert, hat mich auch nicht zu interessieren. Wir waren dort
zu dritt, meine Schwiegermutter, meine Frau und ich. Es war ja ein
Mittagessen an einem Samstag oder Sonntag, und daher ist sie dann
irgendwann am Ende des Gesprächs aufgestanden und hat das Geld geholt und
hat es mir gegeben."Wie war die Stückelung? Haben Sie das Geld
nachgezählt?„Das waren meiner Erinnerung nach 500-Euro-Scheine, aber
das kann ich Ihnen jetzt nicht mehr genau sagen." Nachgezählt? „Die
Schwiegermutter hat gesagt: Das sind 100.000 Euro."Waren die Scheine in
Kuverts?„Das waren Bargeldscheine, die sie mir in die Hand gedrückt
hat, und natürlich habe ich sie dann in ein Kuvert hineingetan. Das war
jetzt nicht in Plastik verschweißt. Ich weiß nicht mehr, ob eine Schleife
drauf war oder nicht. (…) Ich bin dann später in das Auto gegangen, habe
es ins Auto gelegt und bin über Kitzbühel nach Wien gefahren."Gibt es
eine Übernahmebestätigung?„Nein."Sind Sie am gleichen Tag nach Wien
gefahren?„Ich weiß jetzt nicht mehr, ob das ein Samstag oder Sonntag
war, aber klar war, ich war am Montag wieder in Wien. Das heißt, wenn es
ein Samstag war, dann bin ich über Kitzbühel gefahren und weitergefahren
am nächsten Tag."Haben Sie das Geld in Kitzbühel aus dem Auto genommen?
Wo haben Sie das Geld in Wien verwahrt?„Wenn ich nach Kitzbühel
gefahren bin, dann habe ich das sicher herausgenommen und nicht im Auto
gelassen." In Wien verwahrt? „In meinem Safe in der Unteren
Weißgerberstraße."Was ist mit dem Geld passiert?„Dann habe ich es
zeitnah irgendwann in die Meinl Bank gebracht und dort eingezahlt. Zeitnah
heißt, dass ich Ihnen nicht mehr sagen kann, ob es direkt der nächste Tag
war, weil ich einen ziemlich intensiven Terminkalender gehabt habe und
daher schauen musste, wann habe ich Zeit, das Geld zu nehmen und in die
Meinl Bank zu tragen."Wie war es mit den 330.000 Euro?„Im Prinzip
eine deckungsgleiche Szene. Wiederum ein Wochenende in Zug, diesmal im
November oder Dezember. Die Diskussion war, okay, mit 100.000 Euro haben
wir begonnen mit der Zielsetzung, dass das aber ein Betrag sein soll, der
Sinn macht für eine Veranlagung. Daher kamen dann 330.000 Euro dazu mit
der Zielsetzung, dass es auf 500.000 Euro in Summe aufgestockt wird, was
dann wenige Wochen später passiert ist."Wieder aus dem Tresor?„Ja."Wie
viel Platz hat das Geld eingenommen? Kann man es in ein Kuvert geben?„In
ein schmales geht das nicht hinein, nein. Ich habe es reingegeben in ein
größeres A4-Kuvert."Wieder ungezählt übernommen?„Ja."Wie viel
Zentimeter haben die 330.000 Euro eingenommen?„Ich kann es Ihnen nicht
schildern, wie viele Zentimeter 330.000 Euro an Geld ausmacht. Ich kann
Ihnen keine Zentimeter geben. Wenn Sie mir 330.000 Euro hergeben, können
wir das abmessen, dann wissen wir es."Ist dann entschieden worden, wie
die Anlegestrategie aussieht?„Wir haben keinen Zeitraum festgelegt.
Ich bin davon ausgegangen, dass man es einmal zwei, drei, vier Jahre
probiert. Am Ende des Tages wäre es ausschließlich die Entscheidung meiner
Schwiegermutter gewesen. Wenn sie gesagt hätte: ‚Du, nach einem Jahr, was
hast du jetzt, egal ob es plus oder minus gewesen wäre, zahle es mir
zurück‘, hätte ich es logischerweise zurückgezahlt. So habe ich damals die
Initiative gesetzt, am Höhepunkt der Finanzkrise, und habe gesagt: ‚Ich
möchte es dir zurückzahlen, weil die Meinl Bank sieht nicht gut aus, die
Finanzkrise, ich mag das Geld nicht verlieren.‘"Sie haben bei Ihrer
Einvernahme Ihre Gattin und Ihre Schwiegermutter als Zeugen angeführt.
Wörtlich: Der ganze Vorgang kann von meiner Schwiegermutter und meiner
Frau bestätigt werden. Warum sind die nicht bereit, auszusagen?„Ich
würde mir sehr wünschen, dass vor allem meine Schwiegermutter eine Aussage
dazu abgibt."Schwiegermutter wiederspricht Die Familie
wiederspricht den Grasser-Angaben vor dem Staatsanwalt. Denn bei der
Razzia bei Marina Giori-Lhota in Kitzbühel im Mai 2011 rief Adalbert Lhota
seine Frau vor den Beamten an, um ihr die im Hausdurchsuchungsbefehl
festgehaltenen Vorwürfe bezüglich Bargeld-Übergaben
vorzulesen.Polizeilicher Aktenvermerk vom 26. Mai 2011: „Auf die Frage,
was seine Frau zum Vorgelesenen sage, teilte er mit, dass Giori-Lhota die
Ausführungen der vorgelesenen Seiten absolut in Abrede stellt. Sie sagte
zu diesen Ausführungen, dass dies alles nicht stimmt. Sie hat, so wie
Adalbert Lhota zu Beginn der Amtshandlung schon angegeben hat, mit dieser
Sache nichts zu tun."Fakt ist: Mit der halben Million engagierte sich
Grasser jedenfalls bei der skandalumwitterten Investorengruppe von Tilo
Berlin. Das Giori-Dementi bestärkt die Justiz in ihrem Verdacht, dass es
sich dabei um KHG-Geld handelt.
Grasser laut Einvernahme-Protokoll: „Beim
Hypo-Genussschein habe ich Herrn Weiß von der Meinl Bank angerufen,
nachdem mich Tilo Berlin angesprochen hat. Ich habe ihm gesagt: ‚Du, die
Möglichkeit gibt es, das könnte ein sehr interessantes Investment sein,
ich bin tendenziell dafür, schauen Sie sich das an.‘" Daraufhin hat die
Bank über die Briefkastenfirma Ferint AG eine halbe Million bei Berlin
investiert.2. Grasser zur Privatisierung der Buwog im Jahr 2004Der
Staatsanwalt vermutet, dass die halbe Million der Schwiegermutter im
Eigentlichen aus den Buwog-Provisionen stammt, die Grasser-Trauzeuge
Walter Meischberger und KHGs Ex-PR-Berater Peter Hochegger illegal
kassiert haben. Darum fragt er Grasser dazu aus:Wie gestaltete sich Ihr
Verhältnis zu Meischberger und Hochegger zum Zeitpunkt des
Buwog-Vergabeprozesses?„Unverändert gut. Meischberger war ein sehr
guter Freund. Hochegger im Kreis der Kommunikationsberatung."Meischberger
damals freundschaftlich? Regelmäßiger Kontakt?„Regelmäßiger Kontakt.
Absolut."Haben Hochegger und Meischberger je vom Buwog-Engagement
berichtet?„Nein."Haben Sie von Ihrer Seite mit Meischberger oder
Hochegger über den Verkauf der Buwog gesprochen?„Wir haben sicher über
den Verkauf diskutiert. Warum? Weil der Verkauf in Summe politisch sehr
schwierig war."Inwieweit haben Sie Walter Meischberger und Peter
Hochegger eingeweiht in die Abläufe?„Nein, keine Details. Meischberger
und Hochegger haben sicher mitbekommen, wie die Öffentlichkeit auch, dass
wir an Lehman einen Auftrag erteilt haben."Sie haben mit Meischberger
gesprochen. Wie haben Sie zwischen freundschaftlichem und No-Way-Gespräch
unterschieden? Wie haben Sie das abgegrenzt?„Indem ich ihm einfach nie
etwas gesagt habe, was ich ihm nicht hätte sagen dürfen. Ich habe meine
Aufgabe als Finanzminister sehr ernst genommen. Da war klar, du hast einen
Bereich, wo du der Diskretion, der Verschwiegenheit unterliegst. Das habe
ich eingehalten."Wurden Gespräche privater Natur über Buwog, über
Verkäufe etc. geführt?„Beispiel, über Novomatic haben wir diskutiert.
Habe ich gewusst, dass der Meischberger eine Beziehung zu Novomatic hatte?
Ja, habe ich. Habe ich gewusst, wie viel er kassiert, nein. Da bin ich
auch überrascht. Umso mehr habe ich versucht, zum Beispiel, im
Glücksspielbereich, ihm ja nicht irgendeine Information zu geben."3.
Zur Novelle des Glücksspielgesetzes für Novomatic/Telekom in 2006Grasser
schwört, dass er nie im Sinne Meischbergers agiert hat. Bei der Novelle
des Glücksspielgesetzes 2006 kreuzten sich ihre Wege dann doch. Der
Staatsanwalt zitiert aus einer Vernehmung von Novomatic-Boss Franz
Wohlfahrt: „Herr Meischberger ist an uns herangetreten und hat uns die
Idee, wie wir uns für eine Gesetzesänderung bestmöglich strategisch
positionieren können, dargelegt. Er war es, der den Kontakt zur Telekom
über Hochegger hergestellt hat. Die Idee von Meischberger war gut. Ebenso,
dass Meischberger gute Kontakte zum entscheidenden Mann im BMF hatte und
dieser von der Idee hätte überzeugt werden sollen."Der Staatsanwalt
fragt Grasser: Können Sie ausschließen, dass Meischberger, Hochegger
oder andere Lobbyisten diesbezüglich mit Ihnen Kontakt hatten?
„Ich
weiß, dass Rudi Fischer und Franz Wohlfahrt zu einem Termin bei mir waren
und mir die Initiative geschildert haben. Ich weiß nicht einmal, ob
Meischberger oder Hochegger beim Gespräch Fischer/Wohlfahrt dabei waren."Haben
Sie noch Kontakt zur ÖVP?„Unregelmäßig. Der Werner Fasslabend hat mich
zu einer Veranstaltung des Vizekanzlers eingeladen, bei der ich auch war."Prominente
GesprächspartnerVon Telefonaten mit Wolfgang Schüssel, Maria
Rauch-Kallat oder Susanne Riess-Passer erzählte Grasser der Justiz nichts
(siehe Gesprächsliste). Das war nicht nötig. Die Polizei hatte ihn
ohnedies abgehört.Im KHG-Puzzle der Justiz fehlen jetzt nur noch die
Ergebnisse der Hausdurchsuchungen in Liechtenstein, Österreich und der
Schweiz. Dann, Mitte nächsten Jahres, wird Grasser noch einmal zum Verhör
gebeten. Und dann wird auch über eine mögliche Anklage entschieden.–
Ashwien Sankholkar Grassers heimliche GesprächspartnerBeim
Grasser-Lauschangriff im Vorjahr kam heraus, dass eine Reihe ehemaliger
und amtierender Politiker sowie Industriemanager und Societytiger regen
Kontakt mit KHG pflegten. FORMAT liegt die prominente Liste vor.• Wolfgang
Schüssel, Ex-VPBundeskanzler und KHG-Förderer• Erwin Pröll,
niederösterreichischer ÖVP-Landeshauptmann• Susanne Riess-passer,
Ex-FP-Vizekanzlerin und Wüstenrot-Chefin• Maria Rauch-Kallat,
Ex-VP-Gesundheitsministerin und KHG-Unterstützerin• Martin Schlaff,
Industrieller und Geschäftspartner der Telekom Austria• Siegfried Wolf,
Ex-Magna-Manager und langjähriger KHG-Freund• Niki Lauda, Ex-Rennfahrer•
Jeannine Schiller, Society-Dame
12.11.2011: Steuerprüfung findet nicht statt
Neue Details zur Causa Grasser: Bei Ex-Finanzminister Karl-Heinz
Grasser (V) und dessen Ehefrau Fiona wurden von einem Wiener Finanzamt
bereits angesetzte Steuerprüfungen widerrufen, berichtet das
Nachrichtenmagazin "profil" in seiner am Montag erscheinenden Ausgabe laut
Vorausmeldung. Demnach habe im Zuge des Wohnsitzwechsels des Ehepaars von
Tirol nach Wien eine Finanzbeamtin am Finanzamt Wien 1/23, laut Magazin
eine Studienkollegin von Grasser, die Steuerprüfungen ausgesetzt. Ebenso
sei bei Grassers Gesellschaft Valuecreation eine Steuerprüfung durch
den Wohnsitzwechsel von Tirol nach Wien widerrufen worden. "Bei der
Valuecreation GmbH wurde am selben Tag der Aktenübernahme des Aktes der
FPGG aus Kitzbühel durch das FA 1/23 eine Umsatzsteuerprüfung widerrufen",
so das "profil".
2 Grasser-Stiftungen in Liechtenstein: "Die beiden Stiftungen
beinhalten ein Vermögen in Höhe von mindest 9,28 Mio. Euro", so das
"profil" unter Berufung auf einen ebenfalls vorliegenden Zwischenbericht
im Finanzverfahren gegen den Ex-Finanzminister. Bisher war in
Medienberichten von drei Millionen Euro in den Liechtenstein-Stiftungen
die Rede gewesen.
13.11.2011: Bestechungsvorwurf: Ex-Finanzminister Grasser steht
im Zusammenhang mit dem Linzer Terminal Tower unter Korruptionsverdacht.
Laut "Kurier" wurde bei einer Hausdurchsuchung im Porr-Konzern ein
Aktenvermerk entdeckt, in dem die Rede von einer Zahlung von 700.000
Euro "an die Finanz" oder Dritte ist. Im Gegenzug soll sich das
Finanzministerium für die überteuerte Einmietung der Finanzbehörde
entschieden haben.
17.11.2011: Grasser wird Buwog-Konto zugerechnet
Die Buwog-Ermittler vermuten, dass das Liechtensteiner
Konto "400.815", auf dem ein Drittel der Buwog- und Porr-Provision
gelandet war, Grasser zuzurechnen sei, wie das Nachrichtenmagazin "Format"
schreibt.
Laut dem Bericht bestehe der Verdacht von Geldflüssen und
Kontobewegungen auf ein Konto, das Grasser mit der Buwog-Causa in
Verbindung gebracht wird.
Grassers Freund und Geschäftspartner Meischberger hatte
die Provision des siegreichen Bieters für die Buwog-Wohnungen von Zypern
aus über Umwege nach Liechtenstein bringen lassen und dort auf drei Konten
zu fast gleichen Teilen aufgeteilt. Die Zahlungen flossen in Raten auf die
Konten "Natalie" (insgesamt 2,192.961 Euro), "Karin" (2,506.462 Euro) und
"400.815" (2,506.461 Euro). Während Meischberger beteuert, alle drei
Konten hätten ihm gehört, wurde das Konto "Karin" laut Medienberichten vom
Immobilienmanager Ernst-Karl Plech eröffnet.
Das Konto "400.815" sei vermutlich Grasser zuzuordnen, so die
Ermittler: "Aufgrund der Zusammenhänge zum Konto der Mandarin Group bei
der Raiffeisenbank Liechtenstein ist davon auszugehen, dass die (...) am
Konto '400.815' veranlagten Beträge einem weiteren Komplizen zuzurechnen
sind. (...) Aufgrund der Fülle an Indizien liegt der Verdacht nahe, dass
diese dritte Person Grasser ist". Grasser selber hat stets alle Vorwürfe
zurückgewiesen, er habe von der Buwog-Provision oder von irgendeiner
anderen Provision profitiert. Für alle Genannten gilt die
Unschuldsvermutung.


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